24 Stunden Pflege zu Hause

Eine gute Seele aus dem Osten bewahrt viele alte Menschen vor dem Heim

Topfit feiert Oma noch ihren 75. Geburtstag. Kurze Zeit später erleidet sie einen Schlaganfall. Eine Unterbringung im Heim scheint unausweichlich. Die eigenen vier Wände verlassen zu müssen – vielen alten Menschen droht dieser schwere Einschnitt in ihrem Leben. Denn eine Altenpflege für rund 5.000 Euro pro Monat ist für "normale" Familien unbezahlbar.

In vielen Fällen sind „Ludmilla aus Polen“ oder „Svedlana aus Tschechien“ die letzte Rettung. Sie helfen unter anderem beim Kochen, Putzen und Einkaufen. Vor allem: Mit rund 1.500 Euro kosten sie nur einen Bruchteil.

Kritiker sprechen von „moderner Sklaverei“, doch unterm Strich profitieren beide Seiten: Die vorher zumeist arbeitslosen Polinnen etc. und deren Familien und die alten Menschen, die in ihrer gewohnten Umgebung ein Stück neuer Lebensqualität haben. Zwischen beiden "Parteien" entwickeln sich nicht selten sogar Freundschaften.

 

HINTERGRUND:

Was leistet eine osteuropäische Pflegekraft?

Neben der Haushaltsführung sind auch Grundpflegearbeiten wie Hilfe beim Waschen oder Anziehen erlaubt. Ist die Betreuungskraft ausgebildete Krankenschwester, darf sie auch Verbände wechseln oder Spritzen geben. Vertraglich vereinbart ist eine Arbeitszeit von 8 Stunden täglich. Darüber hinaus leisten die Betreuerinnen eine 24-Stunden-Bereitschaft. Sie sind in der Regel vor Ort und können im Notfall jederzeit eingreifen.

(Anmerkung der Westdeutschen Zeitung vom 09.06.05: „Dass diese Frauen nur kochen, waschen, putzen und einkaufen, davon ist nicht immer auszugehen. Der medizinische Bereich ist kein Tabu. Zwar dürfen sie nicht pflegen, doch in kaum einem Haushalt prüfen die Behörden, ob diese Frauen auch noch Verbände wechseln oder Spritzen geben.“)

 

Das Entsendegesetz ebnet den Weg

Seit dem EU-Beitritt können auch osteuropäische Länder wie Polen die Dienstleistungsfreiheit und das Entsendegesetz in der Union nutzen. Dies ermöglicht es polnischen Pflegediensten, ihr Personal in Deutschland zu beschäftigen. Die deutsche Familie ist nur Auftraggeber, kein Arbeitgeber. Bescheinigt wird die Legalität auf dem so genannten E 101-Schein, aus dem hervorgeht, dass der Betrieb zur Entsendung berechtigt und der entsendete Arbeitnehmer im Heimatland sozialversichert ist.

 

BEISPIEL:

Die Agentur Yourcare24 in Wuppertal, die mit „Rund-um-die-Uhr-Betreuung in den eigenen vier Wänden", wirbt, arbeitet schon seit einigen Jahren erfolgreich nach diesem Prinzip. Geschäftsführerin ist Paulina Chmaryk.

Welches sind die ersten Schritte zu einer osteuropäisch Pflegekraft?

Zunächst wird ein Besuchstermin zu Hause vereinbart. Dabei werden alle Fragen beantwortet und gemeinsam ein individuelles Betreuungskonzept erarbeitet. Auf dieser Grundlage erfolgt ein unverbindlicher Kostenvoranschlag. Das Angebot ist kostenlos und verpflichtet zu nichts.

Welche Pflegekräfte werden engagiert?

Alle Betreuungspersonen stammen aus Deutschland oder aus osteuropäischen EU-Beitrittsländern. Es kann je nach Bedarf gewählt werden zwischen Haushaltshilfen, qualifizierten Pflegekräften und examinierten Krankenschwestern/-pflegern. Bei der Auswahl achten wir darauf, dass die Betreuungsperson nicht nur fachlich kompetent und zuverlässige ist, sondern auch menschlich passt.

Wie lange dauert es, bis die richtige Betreuungsperson gefunden ist?

In der Regel benötigen wir vom Erstellen des Anforderungsprofils bis zum Beginn der Betreuung 15 bis 23 Tage Zeit.

Was ist, wenn die Betreuerin in Urlaub geht oder krank wird?

Die durchschnittliche Einsatzdauer einer Betreuerin beträgt in der Regel 4 – 12 Wochen, danach legt sie eine längere Pause ein. Wir sorgen für einen gleichwertigen Ersatz. Grundsätzlich kommen immer die gleichen Personen zum Einsatz, damit die Kontinuität gewahrt ist und Gewöhnung und Einarbeitung vermieden werden. Allerdings müssen einem  Wiedereinsatz sowohl der Auftraggeber als auch die Betreuerin zustimmen. Beide müssen sich wohlfühlen.

Was kostet die Altenpflege?

Je nach Qualifikation und Deutschkenntnissen sind für die Haushaltshilfen oder Pflegekräfte bei freier Kost und Logis ist mit Kosten zwischen 1400,- und 1900,- Euro monatlich zu rechnen. Hinzu kommt ein jährliches Betreuungshonorar von 850 Euro für die vermittelnde Agentur.

Woran erkennt man seriöse Anbieter?

Aus dem Dienstleistungsvertrag sollte hervorgehen...

Absolute Vorsicht ist geboten, wenn die Identität der Pflegekraft nicht preisgegeben werden sie oder gegenüber Freunden und Nachbarn als Verwandte ausgegeben werden soll. Es könnte sich um einen Fall von Schwarzarbeit handeln. Sollte der Auftrageber oder dessen Familie Visier der Finanzbehörden geraten, drohen ihnen hohe Bußgelder und die Nachzahlung aller Sozialabgaben. Bestehen Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Vermittlung bestehen, kann man den Dienstleistungsvertrag auch vom Zollamt überprüfen lassen.

 

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