Daheim statt Heim
Umsorgt Oft braucht es nur ein paar Handgriffe und etwas Aufmerksamkeit, um Senioren die Selbständigkeit zu erhalten. Das muss nicht einmal mal teuer sein.
Lebensabend Der Umzug ins Heim ist durch alternative Pflegemöglichkeiten vielfach zu vermeiden.
Eben noch topfit, plötzlich ein Pflegefall. Hertha R. trifft dieses Schicksal kurz nach ihrem 84. Geburtstag. Jetzt braucht sie umfassend Hilfe - allein zu stehen oder selbständig zu essen ist ihr nicht mehr möglich. Dennoch möchte sie in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Als ihre Familie Angebote von professionellen Pflegediensten einholt, folgt allerdings schnell ein Dämpfer. Über 6.000 Euro soll eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung im Monat kosten. Eine Unterbringung im Heim schein unausweichlich.
Alternative Das ihr diese Schicksal erspart bleibt, verdankt sie der Agentur "YourCare24". Deren Chefin Paulina Chmaryk vermittel osteuropäische Pflegekräfte, die ältere Menschen zu einem Bruchteil der hierzulande üblichen Tagessätze betreuen. Ein schnell wachsender Markt, in dem zahlreiche Agenturen tätig sind. Infos unter www.altenpflege.de
Preise Die monatlichen Kosten liegen im Schnitt zwischen 1.400 und 2.100 Euro im Monat plus freier Verpflegung und Logis. Hinzu kommen etwa 800 Euro Vermittlungshonorar und Kosten für die Heimfahrt. Damit ist das häusliche Pflege-Paket noch günstiger als ein Heimplatz, für den etwa 3.000 Euro im Monat kalkuliert werden müssen. Wenn eine Pflegestufe anerkannt wurde, kann man das entsprechende Pflegegeld zur Finanzierung verwenden. Auf die Qualität muss man allerdings selbst achten; eine Zentrale Anlaufstelle gibt es nicht. Oft arbeiten die Betreuerinnen allerdings mit einem Arzt oder einem ambulanten Pflegedienst Hand in Hand.
Günstige Pflege Das neue Europa bietet vorteilhafte Möglichkeiten
Persönlich "Wichtig ist, dass die Betreuungsperson nicht nur kompetent und zuverlässig ist, sondern auch menschlich passt", sagt Paulina Chmaryk, die mit ihrer Agentur in Wuppertal schon seit einigen Jahren Pflegekräfte vermittelt. Schließlich wird die Pflegerin als Kontaktperson wichtiger als die meisten Familienmitglieder. Nach vier bis zwölf Wochen macht die Betreuerin in der Regel eine längere Pause. "Wenn die Chemie stimmt, kommen grundsätzlich immer die gleichen Personen abwechselnd zum Einsatz."
Hausbesuch Am Anfang steht immer ein Hausbesuch, bei dem ein individuelles Konzept erarbeitet wird. Um sich vor unserösen Anbietern zu schützen, sollte man sich unbedingt den sogenannten E-101-Schein zeigen lassen. Aus ihm geht hervor, dass die Mitarbeiter im Heimatland sozialversichert sind.
Heimplatz Stimmen die finanziellen und menschlichen Rahmenbedingungen, ist gegen den Einsatz der Billig-Pflegerinnen nichts einzuwenden. Selbst der Sozialverband kritisiert, dass "für die meisten Familien die häusliche Pflege unbezahlbar geworden ist", Mit der Folge, dass heutzutage jeder dritte Rentner jenseits der achtzig in einem Heim lebt, obwohl viele das nicht wollen und auch nicht nötig hätten.
Sprachprobleme Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen verweist in ihrer jüngsten Broschüre "Ambulante Pflegedienste" (im Buchhandel für 12,50 Euro) ausdrücklich auf das Engagement von Betreuungskräften aus Osteuropa. "Darunter gibt es durchaus gute Angebote", urteilt Branchenkenner Werner-Göpfert-Divivier vom Saarbrückener ISPO-Institut, das den Markt regelmäßig untersucht. Er warnt allerdings vor Dumping-Angeboten, denn: "Nicht immer sprechen die Kräfte wirklich gut Deutsch". Dennoch sei dieses Model in Zusammenarbeit mit deutschen Pflegediensten häufig die einzig bezahlbare Lösung. "Die deutschen Pflegedienste gehen zwangsläufig mit und leiten die Kräfte an, um im Geschäft zu bleiben".
Ebenfalls möglich aber nur eingeschränkt ratsam wäre die Beschäftigung einer Haushaltshilfe aus einem osteuropäischen EU-Land. Deren Gehalt muss deutschen Tarifen entsprechen; je nach Bundesland sind das etwa 1.200 bis 1.400 Euro im Monat. Zusätzlich würden Sozialversicherungsbeiträge fällig. Neben dem umfänglichen Papierkrieg drohen auch ernsthafte Probleme: Die ausländischen Haushaltshilfen dürfen nicht pflegen; im Falle einer Anzeige ist mit drastischen Strafen zu rechnen.
All diese Punkte vermeidet, wer gleich eine ausländische Pflegekraft, über einen hier ansässigen Vermittlungsdienst engagiert. In diesem Fall ist die deutsche Familie Auftraggeber, kein Arbeitgeber. Die Leistung umfasst sowohl die Pflege als auch die Hilfe im Haushalt. Grundlage ist die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU, die es zum Beispiel polnischen Pflegediensten erlaubt, Personal nach Deutschland zu entsenden. Zwar dürfen laut EU-Recht ausländische Pflegekräfte keine Reinigungsaufgaben übernehmen. Dies dürfte in der Praxis jedoch kaum jemand kontrollieren.
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